Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Gemeinde Egenhofen  |  E-Mail: poststelle@egenhofen.de  |  Online: http://https://www.egenhofen.de

von Wolfgang Kleinknecht, Fürstenfeldbruck

Die Furthmühle - eine Mühle in Altbayern

Technikmuseum Furthmühle

Mühlen waren Orte des Alltags und Stätten der Begegnung. Sie können es wieder werden, wenn sie sich öffnen für Menschen, die Mühlen mögen. Die Furthmühle bei Egenhofen ist auf dem besten Weg dazu. Ihre Zukunft als kleingewerblicher Betrieb, technisches Denkmal und vielleicht auch als Museum scheint gesichert zu sein.


Freilich, spätestens in den 50er Jahren, als zahlreiche kleingewerbliche Mühlen aufgeben mussten, schien auch der Stillstand der Furthmühle nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Als Familienbetrieb wurden die drei Zweige Getreidemühle, Säge und Grünlandwirtschaft weitergeführt, allen Schwierigkeiten zum Trotz. Nach der Aufnahme der Mühlengebäude in die Denkmalschutzliste wurde vom Landesamt für Denkmalpflege die dringend erforderliche Renovierung angeregt und schließlich in den Jahren 1984 bis 1989 bei laufendem Mühlenbetrieb durchgeführt. "In Zusammenklang von Geschichte, landschaftlicher Lage, baukörperlicher Wirkung und funktionierendem "klassischen" Maschinenbau ist die Furthmühle ein einzigartiges technisches Denkmal des Müllergewerbes", urteilte damals der Gründer und langjährige Leiter des Instituts für Technikgeschichte an der Universität Augsburg, Prof. Wilhelm Ruckdeschel in einem Gutachten und brachte all das, was den Reiz dieses Baudenkmals ausmacht, auf einen denkbar knappen, einprägsamen Nenner.


Albert Aumüller, dessen Familie seit 1. November 1900 die Mühle bewirtschaftet, mahlt derzeit verschiedene Produkte aus Weizen, Roggen und Dinkel, die vor allem im neugestalteten Mühlenladen und auf dem Brucker Bauernmarkt verkauft werden, zersägt gelegentlich Bäume zu Schnittholz und betreibt die kleine, zur Mühle gehörige Landwirtschaft im ökologischen Landbau.


Die Mühle selbst ist seit geraumer Zeit bei Führungen der Öffentlichkeit zugänglich. Vorgesehen ist - in Zusammenarbeit mit dem 1993 gegründeten Förderverein die Einrichtung eines Museums, das die reiche und vielgestaltige Mühlengeschichte der Region dokumentieren soll, in Räumen, die nicht mehr für den Mühlenbetrieb benötigt werden.

Eingang der Furthmühle 

Der erste Hinweis auf die Furthmühle findet sich in einer Urkunde des Klosters St. Stephan und Afra in Augsburg: Adalbert de Pfaffenhofen-Grunertshofen, ein andechsischer Ministeriale, übereignet um 1165 im Beisein Herzogs Heinrich XII des Löwen und des Klostervogts Adalgozs III von Schwabeck, für sein und seiner Ehefrau Gisela Seelenheil Grundbesitz in Pfaffenhofen in der Glonn und im abgegangenen Ort Landolteshusen bei Mammendorf mitsamt 50 Leibeigenen, sowie die Einnahmen aus drei, den Herzögen von Andechs-Meranien gehörenden Mühlen dem Augsburger Kloster. Die drei Mühlen befanden sich in Pfaffenhofen, bei Wagenhofen - die heutige Furthmühle - und in Germerswang. Die Furthmühle erscheint in der Folgezeit noch des Öfteren in den Urkunden. So erneuert 1477 Herzog Sigmund von Bayern nach vorangegangenem Rechtsstreit auf Ansuchen des Klosters hin das Mühlrecht, nachdem die Furthmühle Anfang des 15. Jahrhunderts "langzeyt ungezymert" - also öde - gelegen war. Und 1766 verkaufte das Augsburger Kloster die Mühle mitsamt Holz und Fischwasser an den Münchner Bankier und Inhaber der Hofmark Weyhern, Franz Xayer Freiherr von Ruffini. Dessen Familie veräußerte schließlich Weyhern samt aller Zugehörungen und damit auch der Mühle an den gerade in den Adelsstand erhobenen Tabakfabrikanten Friedrich Freiherr von Lotzbeck. Damit begann die eigentliche "Blütezeit" der Mühle. Friedrich von Lotzbeck beauftragte um 1822 den von der Münchner Hofgesellschaft hochgeschätzten und vielbeschäftigten Architekten Jean Baptiste Metivier nicht nur mit der Neugestaltung des Schlosses Weyhern im klassizistischen Stil, sondern auch mit der Umgestaltung und dem teilweisen Neubau der zur Hofmark gehörenden Furthmühle.


Seit nunmehr 100 Jahren bewirtschaftet die Familie Aumüller die Furthmühle zunächst als Pächter und seit 1920 als Besitzer. Waren auf der nunmehr als kleingewerbliche Kundenmühle geführten ehemaligen Hofmarksmühle in den 30er Jahren noch bis zu 16 Beschäftigte tätig, so war Nachfolger Albert Aumüller sen. schon ab 1940 allein in der Mühle tätig, die heute von seinem Sohn geführt wird. Der Förderverein Furthmühle hilft mit beim Aufbau des Mühlenmuseums, organisiert Ausstellungen und will die Mühlengeschichte im Bereich zwischen Amper und Glonn erforschen, auch unter sozialen, technikgeschichtlichen, kulturhistorischen und ökologischen Aspekten. Noch ist es ein langer Weg, bis in der Furthmühle der bestehende kleingewerbliche und technikgeschichtlich wohl einzigartige Mühlenbetrieb durch ein Museum ergänzt werden kann. Doch die ersten Schritte sind gemacht.

drucken nach oben